Sie sagen: das Reale, die Welt wie sie ist. Aber sie ist nicht, sie wird! […]
Die Welt, das Reale, ist kein Objekt. Sie ist ein Prozeß.

John Cage im Gespräch mit Daniel Charles,
Erstes Gespräch aus:” Für die Vögel” Merve Verlag Berlin, S. 89

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Als John Cage 1970 im Interview mit Daniel Charles diese Bemerkung machte war die in feste Blöcke eingeteilte Welt noch weit entfernt von der Anerkennung einer Dynamik der Information, die im Internetzeitalter selbstverständlich geworden ist.

John Cage konnte zeigen, dass die Zufälle in seinen Notationen zusammen mit den Koinzidenzen in der Aufführung seiner Werke Kunst sind; dass also zufallsbasierte Information zusammen mit der Wirklichkeit erst die Realität, das Musikstück ergeben.

Cage macht uns deutlich, dass Zufall nicht gleichbedeutend mit Willkür ist.
Information ist nicht statisch, nicht gleichbleibend abrufbar, sondern entsteht erst in der Befragung, im Prozeß.

Im 21. Jahrhundert sind die einst festen Kategorien in Bewegung gekommen, Kunst und Wissenschaft bewegen sich aufeinander zu. So kommt es, dass bei der documenta 13 in diesem Jahr der Quantenforscher Prof. Dr. Anton Zeilinger und seine Studierenden einen ganzen Raum mit Versuchsanordnungen zum Thema Quantenphysik zeigen konnten.

Für Professor Zeilinger ist die Rolle des Zufalls eine der wichtigsten Entdeckungen in der Naturwissenschaft des 20. Jahrhunderts und die Konzepte der Information und der Wirklichkeit gar nicht voneinander trennbar.

Obwohl die Welt als Prozeß ins allgemeine Bewusstsein gerückt ist, werden Wirklichkeit und Realität immer noch gleichgesetzt. Dabei ist die Realität erst das Ergebnis aus dem Zusammenspiel von Zufall mit Information und Wirklichkeit als Potenzialität. Das immer wieder deutlich zu machen ist die Aufgabe einer Kunst, wie Cage sie versteht.

Kunst kann Hinweise auf die Wirklichkeit geben.
Das Konzept der Ausstellung im Orbital spielt mit dem Zufall in der künstlerischen Tradition von John Cage und dem Wirklichkeitsentwurf der Quantentheorie. In den Zeichnungen und Animationen bestimmen Koinzidenzen die Komposition.
Das Orbital, die Wellenfunktion eines einzelnen Elektrons, beschreibt seine Aufenthaltswahrscheinlichkeit.

Ausstellung / im Orbital /
Eröffnung
27. 4. 2012 18 – 21 Uhr

28. 4. – 2. 6. 2012,
Fruehsorge Contemporary Drawings,
Heidestraße 46-52,
10557 Berlin
Di-Sa, 11:00 – 18:00


Munkmovies sind Animationen und Serien von Zeichnungen
Bettina Munk auf Lines Fiction online deutsch / english Top